Herausgegeben durch den

Jugendarbeit ein Leben lang

Ein Gespräch mit Peter Knorre aus Bad Säckingen

Von der Binsenweisheit „Die Jugend ist unsere Zukunft“ zur konkreten, erfolgreichen Jugendarbeit ist es oft ein weiter Weg. Welche Formate bringen Erfolg? Wie wird Zugang für Alle gewährleistet? Und wie kann die Arbeit personell gestemmt werden? Darüber sprechen wir im Interview mit Peter Knorre. Er ist Dipl. Sozialpädagoge (FH) und seit 2007 Leiter des Kinder- und Jugendhauses „Altes Gefängnis“ in Bad Säckingen.
Herr Knorre, Sie sind seit Jahrzehnten in der Jugendarbeit tätig. Was motiviert Sie heute noch, das „Alte Gefängnis“ in Bad Säckingen zu leiten?

„Die Jugend ist unsere Zukunft“. Ich versuche, diesen oft ausgesprochenen Satz Tag für Tag nach Kräften umzusetzen und nicht nur in „Sonntagsreden“ zu verwenden. Für mich war und ist er seit inzwischen fast 30 Jahren Leitmotiv meines beruflichen und persönlichen Wirkens. In meinem Büro hängt an der Wand dieses Zitat von Antoine Saint-Exupéry (Der kleine Prinz): „Man kann nicht in die Zukunft schauen, aber man kann den Grund für etwas Zukünftiges legen – denn Zukunft kann man bauen.“ Ich schaue jeden Tag auf dieses Zitat, es motiviert mich…

Ich bin Sozialpädagoge, habe also einen „helfenden Beruf“ gewählt. Ich würde jedoch nicht gerne ausschließlich mit hilfebedürftigen Menschen arbeiten wollen. Junge Menschen sprudeln voller Ideen und Energie, auch wenn diese bisweilen noch in sozial verträgliche Kanäle gelenkt werden müssen. Es macht mir Spaß, sie hierbei zu unterstützen und zu begleiten. Umgekehrt können wir Erwachsenen auch sehr viel von Kindern und Jugendlichen lernen, wenn wir ihnen aufmerksam und respektvoll begegnen und auch mal bereit sind, unsere oft eingefahrenen Bahnen in Frage zu stellen. Ich erlebe es in der Praxis häufig, wie erfrischend und unkonventionell junge Menschen an Dinge herangehen. Das macht Spaß und hält mich „jung“.

Was hinzukommt: Die Kommunale Jugendarbeit bietet (auch mir) Frei- und Gestaltungsräume, in denen ich jungen Menschen etwas von mir als Person mitgeben kann, von meinen Stärken und manchmal auch von meinen Vorlieben, auch wenn stets die Ideen der Jugendlichen im Vordergrund stehen müssen. Das motiviert. Bei mir kommt hinzu, dass ich ein Kind dieser Stadt bin, hier geboren wurde und (fast) immer hier gelebt habe. Ich identifiziere mich in einem sehr hohen Maß mit „meiner“ Stadt, in der auch unsere Kinder aufwachsen, und gestalte sie durch mein berufliches Wirken ein Stück weit mit.

In Ihrem Konzept geht es um einen generationsübergreifenden Begegnungsort. Warum ist dieser Ansatz gerade jetzt wichtig?

Ich hoffe, die meisten von uns haben ihre Großeltern noch erlebt. Nicht selten waren sie interessanter als unsere Eltern, weil sie uns ganz andere Dinge für unser Leben mitgeben konnten. Zudem waren sie (hoffentlich) auch eine Portion gelassener und weniger gestresst als Mama und Papa. Mit meinen 55 Jahren werde auch ich für viele junge Menschen langsam zum „Opa“ hier im Haus und in der Stadt. Jugendliche gehen mit ihren Anliegen zwar oftmals zu jüngeren Mitarbeitern, weil diese natürlich näher an ihrer Lebenswelt sind. Manchmal jedoch gehen sie ganz gezielt zum „Alten“, weil dieser eben etwas Anderes ausstrahlt. Ein besonderes Angebot im „Alten Gefängnis“ ist deshalb für mich die Fahrrad-Werkstatt. Von Mai bis Oktober können Kinder und Jugendliche einmal wöchentlich mit ihren kaputten Fahrrädern zu uns kommen und holen sich Hilfe zur Selbsthilfe beim Reparieren. Geleistet wird dies von einem Pool aus Ehrenamtlichen zwischen 30 und 88 (!) Jahren.

Welche Formate und Formulierungen der Beteiligung setzen Sie im Alltag um?

Bei uns in Bad Säckingen gibt es, mit Unterbrechungen, seit 1998 ein Jugendparlament (Jupa). Das habe ich 2007 so übernommen, als ich hier angefangen habe zu arbeiten. Diese lange Tradition möchte ich als Jugendreferent nicht einfach über Bord werfen und nun andere Formate zum Schwerpunkt machen, nur, weil sie vielleicht gerade „in Mode“ wären. Der Vorteil des Jupa bei uns ist unter anderem, dass es in den Köpfen vieler Erwachsener inzwischen fest verankert ist. Seit 2014 hat das Jupa zudem zwei feste (beratende) Sitze im Gemeinderat und damit die Möglichkeit, direkten Einfluss auf das kommunalpolitische Geschehen zu nehmen. Und manchmal tun sie dies auch, wenn den jungen Leuten mal wieder ein Thema besonders wichtig erscheint. Ergänzt wird das Jupa durch gelegentliche Veranstaltungen für Jugendliche, zu denen wir breit einladen: Themenabende oder Kandidaten-Präsentationen, die das Jupa vor Wahlen organisiert, damit sich junge Menschen eine Meinung bilden und mit erwachsenen Akteuren in Kontakt treten können. Aber auch, um Nachwuchs fürs Jupa zu generieren. Ergänzend beteiligen wir Kinder und Jugendliche bei Projekten (z. B. Skate- oder Streetworkout-Park), vor allem natürlich, wenn die Initiative von ihnen kommt, sowie im Jugendhaus-Alltag. Wir sind überzeugt: Es lohnt sich, junge Menschen zumindest um ihre Meinung zu fragen. Besser noch: Ihnen ein möglichst hohes Maß zur Gestaltung zu geben und an Verantwortung zuzutrauen!

Wie sichern Sie die Offenheit für alle Jugendlichen ins Jugendhaus zu kommen?

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