Pflichtfach: Digitale Kompetenzen

Ein Beitrag über digitale Kompetenzen und junge Menschen

In seiner Glosse „Der Querulant“ nimmt Martin Müller regelmäßig Merkwürdigkeiten unserer Beteiligungspraxis aufs Korn.

Ihr, die junge Menschen wachruft wie ein Frühling, ihr, die Stimmen sammelt, wo Stille war und Fragen klingeln. Ihr seid das Gleichgewicht aus Mut und Maß, die Brücke über Zweifel, die uns allen etwas heißt.

Lasst Transparenz wie Licht durchs Blattwerk gehen: Warum, wozu, wie lange – klare Gründe, keine Mauern. Gebt den Jugendlichen Werkzeuge, keine Rätsel, damit sie bauen können, worauf sie achten sollen.

Kooperation ist euer leiser Kompass, Co-Creation eure Melodie, die alle mitzieht. Schafft Räume, in denen Vielfalt lebt: Jede Hautfarbe, jede Geschichte, jeder Blick zählt.

Nein, es gelingt mir diesmal nicht, in dieser poetischen Art und Weise zu formulieren, zu wichtig ist mir mein Anliegen, meine Idee und das ganz konkret:

Junge Menschen zu beteiligen ist wichtig. „Sie sind die Zukunft“, so hört man stets.

Aber wie soll das gehen, wenn gleichzeitig über Schul-Internet und Altersgrenzen diskutiert wird, als wollten die älteren Menschen (nicht alle sind erwachsen) Australien imitieren und jungen Menschen den Zugang schon im Klassenzimmer streng, fast biblisch verwehren?

So geht das nicht!

Statt pauschaler Sperren brauchen wir scharfe, greifbare Konzepte, die Teilhabe sichern und zugleich Risiken kontrollieren, damit Lernen nicht zur Strafe wird.

Wer entscheidet, was erlaubt ist, und wer überprüft, ob es klappt? Wer profitiert von Ausnahmen, wer trägt die Kosten der Einschränkung?

Lasst uns diese Fragen kompromisslos und konkret beantworten: Jugendliche müssen echte Macht bekommen, nicht bloß Feedback liefern, nicht bloße Lippenbekenntnisse schlucken. Wir brauchen offene Kommunikation statt Euphemismen: Klare Ziele, klare Gründe, klare Zeitpläne – und zwar sowohl für Sperren als auch für Freiräume; und das muss sichtbar, nachvollziehbar, überprüfbar und dazu konsequent gemacht werden.

Co-Creation statt Dozentenmodus: Lernangebote gemeinsam entwickeln – Medienprojekte, Coding, Ethik –, damit Relevanz echte Motivation schafft, statt Schülern bloß Werkzeuge hinterherzuwerfen. Vielfalt ist keine Parole, sondern Pflicht: Unterschiedliche Hintergründe aktiv einbinden, Barrieren abbauen, inklusiv gestalten, damit niemand zurückgelassen wird. Lernziele müssen sich mit Regeln verknüpfen, damit Jugendliche verstehen, warum Regeln existieren und wie sie Lernfortschritt schützen; Regeln dürfen nicht als Willkür erscheinen, sondern als Orientierungshilfe im Lernprozess.

Pauschale Altersgrenzen helfen nicht, sie behindern Lernchancen; wir brauchen kontextabhängige, differenzierte Ansätze, die je nach Fach, Lernphase oder Schulprofil passen, sonst endet es in Frustration und Randgruppenbildung.

Schutz durch Bildung statt Verbot: Medienkompetenz als Kernkompetenz – Risiken erkennen, Quellen prüfen, Urheberrecht beachten, verantwortungsvoll handeln.

Lernende sollen Täter- und Opferrollen erkennen, kritisch hinterfragen und eigene Inhalte verantwortungsbewusst gestalten können.

Regeln müssen transparent sein, mit Begründungen, Dauer, Ausnahmen und Überprüfungen. Nur so entsteht Vertrauen und Akzeptanz, und nur dann akzeptieren Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte den Weg gemeinsam.

Jugendliche in die Regelgestaltung einzubeziehen, erhöht Verantwortung und legitime Mitbestimmung. Das erfordert klare Übergaben von Macht, klare Rollen und echte Mitsprache in Arbeitsgruppen, Gremien und Schulgremien.

Idee: Ein Stufenmodell statt Fesseln: Zuerst Lern- und Arbeitsaufträge mit verantwortungsvoller Nutzung, später kontrollierte Freiräume; schrittweises Vertrauen aufbauen, statt sofort totale Freiheit oder totale Kontrolle zu geben.

Inhalte kontextabhängig filtern, weniger restriktiv in Lernphasen, stärker reguliert in Freizeitbereichen. Das Ziel dabei ist eine Lernkultur, die Freiheit sinnvoll einbettet und Risikoinformationen sinnvoll priorisiert. Digitale Kompetenzen als Pflichtfach – von Grundschule bis Oberstufe –, praxisnahe Lernumgebungen mit sicherer Infrastruktur ermöglichen sinnvolle Nutzung; Rechenleistung, Datenschutz, Ethik, Quellenbewertung, Urheberrecht, Online-Kommunikation – alles aufeinander abgestimmt. Lernumgebungen müssen sicher, motivierend und zugänglich sein: sichere Infrastruktur, Edu-Apps, geschützte Lernplattformen, klare Nutzungsregeln, Support bei Problemen, damit Nutzen und Sicherheit Hand in Hand gehen. Kontinuierliche Evaluation mit Feedback von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften, Eltern; regelmäßige Datenerhebung, transparente Berichte, schnelle, konkrete Anpassungen statt Lippenbekenntnisse.

Ich weiß, es sind nun alles Handlungsvorschläge…, ich bin hier und kann nicht anders.

 

Hier mein Appell:

Erfolge sichtbar machen und aus Fehlern lernen. Transparente Kommunikation über Gründe, Zeiträume, Ziele und Prüfungen – mit klaren Ansprechpartnern und Möglichkeiten, Kritik zu äußern und Veränderungen zu fordern. Verbindliche Evaluationsergebnisse sollten öffentlich diskutiert werden, damit Vertrauen wächst und Verantwortung geteilt wird. Verbot statt Verständnis ist Sackgasse; Bildung im Netz ist Pflicht, keine Privatsache der Wenigen.

Wer die Zukunft gestaltet, muss heute investieren, zuhören und mitgestalten. Schaffen wir Systeme, in denen Jugendliche wirklich mitreden, in denen Internetnutzung zum Lernziel wird, nicht zum Streitobjekt, und in denen Teilhabe nicht abgefüllt durch Floskeln, sondern durch konkrete, messbare Schritte umgesetzt wird.

Martin Müller ist Geschäftsführender Gesellschafter der Lebenswerke GmbH – Social Profit Agentur und stellv. Vorsitzender des Fachverbands Bürgerbeteiligung
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