Wie kann Demokratie gelernt und erlebt werden, wenn junge Menschen kaum mitbestimmen dürfen? Kinder und Jugendliche sind Expert*innen ihres eigenen Alltags, doch ihre Stimmen finden in (kommunalen) Entscheidungsprozessen selten Gehör. Dabei steht ihre Beteiligung nicht nur für mehr Gerechtigkeit, sondern auch für eine zukunftsfähige Gesellschaft (Winter 2021). Politische Kinder- und Jugendbeteiligung ist ein junges und kleines, dennoch hochspannendes Forschungsfeld. Dieser Beitrag geht den theoretischen Grundlagen und Leitideen nach, die eine echte Beteiligung junger Menschen tragen und legitimieren. Zunächst wird das Partizipationskonstrukt inklusive seiner Formalisierungsgrade beleuchtet, bevor der Unterschied zwischen repräsentativen und offenen Formen der Partizipation thematisiert wird. Nach Vorstellung zweier prominenter Modelle der Partizipation von Kindern und Jugendlichen, der Partizipationsleiter nach Hart (1992) und das Lundy-Modell (Lundy 2007), erfolgt abschließend ein Ausblick auf Potenziale und Herausforderungen in der Beteiligung junger Menschen.
Grundlage: Politische Partizipation
Politische Partizipation von Kindern und Jugendlichen lässt sich am ehesten über den Partizipationsbegriff erschließen. Politische Partizipation beschreibt grundlegend Handlungen und Verhaltensweisen von Bürger*innen, Gruppen oder Institutionen, die das Ziel haben, gesellschaftliche Prozesse und Entscheidungen zu beeinflussen und zu gestalten (Kaase 2003: 521; de Nève, Olteanu 2013; Bätge et al. 2021; Gabriel 2022: 14-16). Dabei unterscheidet sie sich nach Verfasstheit, Legalität und Legitimität (Niedermayer 2005: 192).
Milbrath (1965) unterscheidet zwischen drei Arten der politischen Partizipation: Den „spectator activities“, den „transitional activities“ und den „gladiator activities“. Jede dieser Kategorien umfasst mehrere beobachtbare Handlungen, die auf das politische System ausgerichtet sind. Das Modell lässt sich als Pyramide veranschaulichen, da mit jeder neuen Partizipationsstufe die Anzahl der Menschen abnimmt, die sie ausüben (Abb. 1). So lassen sich in der Zuschauenden-Kategorie das Wählen, das Führen politischer Gespräche, der Versuch, jemanden politisch zu überzeugen und das Tragen politischer Abzeichen verorten. In der Übergangs-Kategorie finden sich in aufsteigender Reihenfolge der Kontakt zu Mandatsträger*innen, Geldspenden an Parteien und der Besuch politischer Kundgebungen. Die Spitze der politischen Partizipationspyramide machen die Gladiator-Aktivitäten aus: Zeit in eine Kampagne investieren, eine Parteimitgliedschaft, eine Kandidatur und das Bekleiden eines Amtes. Mit jeder Stufe sinkt nicht nur die Zahl der aktiv Ausübenden, sondern steigt auch der Aufwand, der mit der jeweiligen Handlung verbunden ist. So ist der Wahlgang wohl die Aktivität, die mit den geringsten Hürden verbunden ist, während jede weitere Form mit größeren persönlichen, organisatorischen oder finanziellen Hindernissen verbunden sein kann. Ein Amt kann erst nach einem parteiinternen Auswahlverfahren, einem Wahlkampf und einer erfolgreichen Wahl ausgeübt werden, was mit vielerlei persönlichen, zeitlichen, finanziellen und strukturellen Ressourcen verknüpft ist.

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