Weniger Partizipation?

Marcus Lau und Uwe Hitschfeld plädieren für weniger Beteiligung und direkte Demokratie, weil viele Fragen dafür „zu komplex“ seien.

Dr. Marcus Lau (Rechtsanwaltskanzlei Füßer & Kollegen) und Uwe Hitschfeld haben ihre umfangreichen Erfahrungen bei der Begleitung akzeptanzkritischer Projekte aus den unterschiedlichen Blickwinkeln des Spezialisten für Verwaltungsrecht und des Unternehmensberaters in einem Fachartikel gebündelt. Im aktuellen Heft 7/2025 der Neuen Zeitschrift für Verwaltungsrecht (NVwZ) gehen sie unter der Überschrift „Bürgerbeteiligung und Gemeinwohlinteresse in Zeiten des Populismus“ der Frage nach, ob der richtige Weg zu ausgewogenen und in der Breite der Gesellschaft akzeptierten Entscheidungen tatsächlich in immer mehr Bürgerbeteiligung liegen kann.

Es ist nicht die Perspektive von Beteiligern – und sie kommen deshalb auch zu Ergebnissen, die ihnen in der Branche wenig Zustimmung einbringen dürfte. Dennoch – oder gerade deswegen – ist ihr Text ein wichtiger Diskussionsbeitrag und durchaus Anlass zur Reflexion der Beteiligungspraxis. im Fokus stehen dabei insbesondere größere Vorhaben zum Beispiel im Kontext der Energiewende, die zumeist von gut organisierten Stakeholdern kritisch begleitet werden. Deshalb geht es an einigen Stellen auch etwas durcheinander zwischen Direkter Demokratie, Bürgerbeteiligung und Stakeholder-Beteiligung. Besonders spannend sind aber die Teile, in denen kritisch hinterfragt wird, ob das „Beteiligungsparadoxon“ bei Großvorhaben für einzelne Bürger*innen überhaupt auflösbar ist.

Auch wenn man die hart formulierten Abschlussthese „Die Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit ist daher nicht in mehr Partizipation und vor allem nicht in mehr direkter Demokratie zu sehen.“ nicht teilt, ist der Beitrag ein bemerkenswerter Denkanstoß zu den Möglichkeiten und Grenzen guter Beteiligung.

Dr. Marcus Lau und Dipl.-Ing. Uwe Hitschfeld
Bürgerbeteiligung und Gemeinwohlinteresse in Zeiten des Populismus
in Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht NVwZ Heft 7/2025, S. 467

Link zum Vollbeitrag

Diesen Beitrag teilen:

Das Magazin zur politischen Teilhabe

Gerne schicken wir eine kurze Email, sobald eine neue Ausgabe erscheint:

Weitere Artikel aus unserem Magazin

Best Practice

Beteiligung als Innovationstreiber

Motivierte, kreative Menschen, finanzielle Mittel und viel Raum für Ideen – hervorragende Zutaten für eine gelungene Beteiligung. Doch aus guten Zutaten folgt nicht automatisch ein gutes Ergebnis. Wie konnte im Rahmen der Smart-City-Strategie der Stadt Oberhausen aus Beteiligung erfolgreich Verantwortung werden?

Artikel lesen
Literatur

Demokratie neu gestalten

Politikverdrossenheit, Zukunftsängste und eine wachsende Kluft zwischen Bürger*innen und Politik prägen unsere Zeit. In seinem neuen Buch „Demokratie neu gestalten. Wege in eine bürgernahe Zukunft“ zeigt Risikoforscher Ortwin Renn, wie deliberative Prozesse und gezielte Beteiligungsformate die Demokratie stärken.

Artikel lesen
Studie

Klimapolitik als Gemeinschaftsaufgabe

Wie kann die Bevölkerung bei zentralen klimapolitischen Entscheidungen konkret eingebunden werden? Eine aktuelle Studie liefert Vorschläge für eine frühzeitige, strukturierte Beteiligung der Öffentlichkeit bei zentralen Gesetzesvorhaben.

Artikel lesen
News

Bundesregierung in Verantwortung

Mit Spannung wurde der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD erwartet. Doch noch wichtiger als der Koalitionsvertrag ist, wie in der Regierungszeit tatsächlich gehandelt wird. Wie die Bundesregierung aus ihrer Sicht handeln sollte, hat das Kompetenzzentrum Bürgerbeteiligung in einer Resolution zusammengefasst.

Artikel lesen
News

Demokratie braucht Beteiligung

Unsere Demokratie steht unter Beschuss. Gleichzeitig sind – besonders in Kommunen – die Kassen vielerorts leer. Die Konsequenz: Beteiligungsformate werden gestrichen. Doch in den aktuellen, krisenhaften Zeiten braucht es nicht weniger Beteiligung, sondern mehr! Aus diesem Grund beschloss der Fachverband Bürgerbeteiligung den Norderstedter Appell.

Artikel lesen
Literatur

Workshop Roadmap

Beteiligungsprozesse finden häufig in Form von Workshops statt. Ein aktuelles Buch bietet umfangreiche Tipps und Tools für die Entwicklung, Organisation und Durchführung von Workshops in unterschiedlichen Formaten.

Artikel lesen
Best Practice

Ermutigend und achtsam zugleich!

Wie kann eine kind- und jugendgerechte Jugendhilfeplanung gestaltet werden? Wie gelingt eine Beteiligung von insbesondere benachteiligten Zielgruppen, die einerseits ermutigend, andererseits achtsam vorgeht, ohne diese auf ihre Benachteiligungserfahren zu reduzieren? Im Folgenden wird das anhand der Beteiligung an einem gesamtstädtischen Präventionsleitbild zur Unterstützung von Kindern und Familien in Risikolagen in Solingen von Philipp Beckmann und Isolde Aigner dargestellt.

Artikel lesen
Best Practice

Jugend-Kultur-Schmiede ERZ

Die Beteiligung junger Menschen ist ein zentraler Baustein für eine lebendige Demokratie. Doch gerade im ländlichen Raum fehlen oft Strukturen, um Jugendpartizipation nachhaltig zu verankern.

Artikel lesen
Schwerpunkt

Digitalisierung und Bürgerbeteiligung: Heilsversprechen und Hinterhalte

Die Digitalisierung ist die Dampfmaschine des 21. Jahrhunderts. Sie bietet enorme Möglichkeiten, unser bisheriges Leben grundlegend zu verändern. Dies gilt auch für die Demokratie. Doch Digitalisierung muss auf Demokratie nicht nur fördernd wirken. Sie kann auch fordernd wirken. Daher müssen wir Digitalisierungsprozesse aktiv mitgestalten und sie nicht nur als utopische Heilsbringer ansehen.

Artikel lesen