Bundesregierung in Verantwortung

Resolution des Kompetenzzentrums Bürgerbeteiligung

Mit Spannung wurde der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD erwartet – auch unter den Beteiliger*innen. Doch noch wichtiger als der Koalitionsvertrag ist, wie in der Regierungszeit tatsächlich gehandelt wird. Wie die Bundesregierung aus ihrer Sicht handeln sollte, hat das Kompetenzzentrum Bürgerbeteiligung in einer Resolution zusammengefasst. Es gibt viele Anknüpfungspunkte, doch wichtig ist, dass endlich umgesetzt wird. Dafür steht das Kompetenzzentrum als Berater und Unterstützer zur Verfügung.

Erwartungen und Angebote des Kompetenzzentrums Bürgerbeteiligung an den neuen Bundestag und die neue Bundesregierung

CDU, CSU und SPD wollen – so der Titel ihres Koalitionsvertrages – „Verantwortung für Deutschland“ übernehmen. Das Kompetenzzentrum Bürgerbeteiligung stellt fest, dass die Verantwortung der neuen Regierung auch darin besteht, die Bürgerinnen und Bürger stärker in politische Entscheidungsprozesse einzubinden.

Im Koalitionsvertrag 2018 vereinbarte die damalige Koalition aus CDU, CSU und SPD, „eine Expertenkommission ein(zu)setzen, die Vorschläge erarbeiten soll, ob und in welcher Form unsere bewährte parlamentarisch-repräsentative Demokratie durch weitere Elemente der Bürgerbeteiligung und direkter Demokratie ergänzt werden kann“. Die Expertenkommission ist seinerzeit nicht eingesetzt worden.

Das Kompetenzzentrum Bürgerbeteiligung fordert von Bundestag und Bundesregierung, die Expertenkommission jetzt zu einzusetzen.

Im Koalitionsvertrag 2021 von SPD, Grünen und FDP hieß es, man wolle „die Entscheidungsfindung verbessern, indem wir neue Formen des Bürgerdialogs wie etwa Bürgerräte nutzen, ohne das Prinzip der Repräsentation aufzugeben.“ Tatsächlich führte die Koalition 2023/2024 den Bürgerrat Ernährung durch. Weitere Bürgerräte wurden nicht eingesetzt.

In der aktuellen Koalitionsvereinbarung wird angekündigt: „Ergänzend zur repräsentativen Demokratie setzen wir dialogische Beteiligungsformate wie zivilgesellschaftliche Bürgerräte des Deutschen Bundestages fort.“

Das Kompetenzzentrum Bürgerbeteiligung appelliert an Bundestag und Bundesregierung, umgehend mit den Planungen zu den „dialogischen Beteiligungsformaten“ zu beginnen.

Zahlreiche Vorhaben des Koalitionsvertrages erlauben die Einbeziehung der Bewohnerinnen und Bewohner in die Entscheidungsfindung. Zum Beispiel: effizientere Gestaltung der Planungs- und Genehmigungsverfahren für Infrastrukturprojekte, stärkere Einbeziehung von Bürgerinnen und Bürgern für ein soziales und bürgernahes Europa, Einsetzung einer Wahlrechtskommission, die Vorschläge zur gleichberechtigten Repräsentanz von Frauen und eine mögliche Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre beraten soll.

Das Kompetenzzentrum Bürgerbeteiligung bietet an, bei diesen und weiteren Themen, zu denen eine Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in die Entscheidungsprozesse möglich ist, unterstützend und beratend zur Verfügung zu stehen.

Beschlossen von der Mitgliederversammlung des Kompetenzzentrums Bürgerbeteiligung am 03.06.2025

Diesen Beitrag teilen:

Das Magazin zur politischen Teilhabe

Gerne schicken wir eine kurze Email, sobald eine neue Ausgabe erscheint:

Weitere Artikel aus unserem Magazin

Lexikon

Partizipation

Partizipation beschreibt den Prozess aktiver Teilhabe mit Wirkungsanspruch von Individuen einer sozialen Struktur.

Artikel lesen
Kommentar

Die richtigen Weichen stellen

Jugendgemeinderäte sind in Baden-Württemberg gesetzlich verankert. Die genaue Ausgestaltung, wie das Besetzungsverfahren, bleibt den Gemeinden offen. Das eröffnet teils kontroverse Diskussionen. Sollen Wahlen stattfinden oder soll doch lieber gelost werden? Wie wird eine diverse Besetzung sichergestellt? Melanie Schmitt nimmt hier in ihrem Kommentar eine differenzierte, aber klare Position ein.

Artikel lesen
Schwerpunkt

Demokratie ohne Beteiligung?

Unsere Demokratie ist unter Druck geraten. Rechtsextremisten gewinnen an Einfluss, ihre Wahlergebnisseund die von ihnen betriebene Verrohung der Gesellschaft machen Angst. Wie schützen wir unsere Demokratie? Kann Bürgerbeteiligung dabei ein Faktor sein?

Artikel lesen
Theorie

Gelingensbedingungen von Partizipation

Partizipation ist die Beteiligung von Individuen, ihre Meinungen in die Planung von Projekten einzubringen, die ihre zukünftige Umgebung gestalten. Doch welche Bedingungen braucht es, damit dies gelingt? Das untersucht Dr. Michael Mörike von der Integrata-Stiftung.

Artikel lesen
Theorie

Kann man mal machen oder Must-have?

Kinder und Jugendliche lernen Demokratie meist nur abstrakt und theoretisch kennen. Echte Beteiligung und Mitbestimmung, die nicht nur als Feigenblatt dient, sondern einen wirklichen Einfluss ermöglicht, ist selten. Dabei würde das große Potenziale bringen. Sebastian Mech beschreibt die theoretischen Grundlagen und Leitideen, die echte Beteiligung junger Menschen fördern und legitimieren.

Artikel lesen
Der Querulant

Jugendbeteiligung als Akt von Poesie

Was passiert, wenn Jugendbeteiligung mehr ist als Symbolik? Wenn junge Stimmen Verantwortung einfordern, Prozesse hinterfragen und Beteiligung messbar machen? Zwischen poetischer Vision und politischer Realität schreibt Martin Müller ein Plädoyer für echte Mitbestimmung statt gut gemeinter Kulisse.

Artikel lesen
Best Practice

Vom Mitreden zum Mitgestalten

Wie können Kinder in einer Gemeinde echte Beteiligung erfahren? Diese Frage bildet den Ausgangspunkt einer Entwicklung, die heute im Kindermuseum PLOMM in Wiltz, Luxemburg sichtbar wird. Doch bevor ein Gebäude entstand, bevor Ausstellungen geplant wurden, begann alles mit der Suche nach neuen Formen der Beteiligung von Kindern am gesellschaftlichen Leben. Joëlle Lutgen-Ferber, Nadine Lepage und Manon Eicher berichten über den Aufbau eines spannenden Projekts.

Artikel lesen
Kommentar

Bürgerbeteiligung am Limit

Bürgerbeteiligung erfreut sich wachsender Beliebtheit – immer häufiger werden Beteiligungsprozesse in unterschiedlichen Bereichen durchgeführt. Am Beispiel der Energiewende kommt Jan Schmidbauer zu der Einschätzung, dass Bürgerbeteiligung kein Selbstläufer ist.

Artikel lesen
Literatur

Workshop Roadmap

Beteiligungsprozesse finden häufig in Form von Workshops statt. Ein aktuelles Buch bietet umfangreiche Tipps und Tools für die Entwicklung, Organisation und Durchführung von Workshops in unterschiedlichen Formaten.

Artikel lesen