Der größte Lehrer Versagen ist. – Meister Yoda

Scheitern im Kontext von Beteiligung

Die wenigsten Dinge funktionieren beim ersten Versuch. Doch Fehler zu machen und zu scheitern sind grundlegend unterschiedlich. Wie steht es um die Fehlerfreundlichkeit in unserer Demokratie und welche Rolle sollte sie in der politischen Bildung spielen? Sweta Moser, Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung Sachsen, gibt einen Einblick in die Herausforderungen und spricht einen klaren Appell aus.

Junge Menschen zu beteiligen hat viele positive Effekte, als Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung Sachsen sprechen wir gern und oft darüber. Einer dieser Effekte ist, dass im geschützten Raum der Umgang mit Misserfolg geübt werden kann. So weit, so theoretisch.

Im vergangenen Jahr mussten wir eine große Veranstaltung absagen, in die bereits viel Arbeit und Hingabe, aber auch etliche Euro geflossen waren. Das war schmerzlich und frustrierend und wir haben uns gefragt: Ist „die Notbremse ziehen“ schon Scheitern oder doch verantwortungsvoller Umgang mit den eigenen Ressourcen? Warum fällt es uns dann so schwer? Und wie geht es anderen damit?

Scheitern heißt, das Ziel aufzugeben

Während ein Zweijähriger unermüdlich neue Anläufe unternimmt, bis ihm etwas gelingt, wird er sich bereits wenige Jahre später für einen einzelnen Fehlversuch schämen, ihn verbergen wollen und sich einer anderen Sache zuwenden. Hier wird der Unterschied zwischen Fehlern und Scheitern offenbar.

Fehler zu machen meint lediglich, verschiedene Dinge auszuprobieren, um ein Ziel zu erreichen. Scheitern bedeutet, das Ziel nicht weiter zu verfolgen.

Warum aber sind Fehlversuche so schambehaftet, dass wir sie mühevoll zu rechtfertigen versuchen?

Unser Alltagshandeln unterliegt einem Effizienzdenken: Je weniger (Fehl-)Versuche, umso ressourcenschonender, schlanke Prozesse, maximaler Effekt. Wir befassen uns viel mit Selbstoptimierung. Schon ab den ersten Lebensmonaten werden wir bewertet, was wir wann zu können haben. Verunsicherte Eltern geben den Erwartungsdruck an ihre Kinder weiter. Deshalb ist eine fachliche Großzügigkeit im pädagogischen Feld so wertvoll.

Mich grämt das oft lange, wenn ich mit einem Vorhaben nicht weitergekommen bin. Wenn meine Zielgruppe „gegen die Wand fährt“ bin ich dagegen viel toleranter und nachsichtiger.

Der folgende Inhalt ist nur für unsere Mitglieder zugänglich. Bitte logge dich ein, wenn du Mitglied im Fachverband Bürgerbeteiligung bist.

Anmelden
   
Sweta Moser ist Politikwissenschaftlerin und Mediatorin. Als Referentin der Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung Sachsen bewegt sie sich an der Schnittstelle zwischen Öffentlichkeitsbeteiligung und Jugendhilfe.
Diesen Beitrag teilen:

Das Magazin zur politischen Teilhabe

Gerne schicken wir eine kurze Email, sobald eine neue Ausgabe erscheint:

Weitere Artikel aus unserem Magazin

News

Demokratie braucht Beteiligung

Unsere Demokratie steht unter Beschuss. Gleichzeitig sind – besonders in Kommunen – die Kassen vielerorts leer. Die Konsequenz: Beteiligungsformate werden gestrichen. Doch in den aktuellen, krisenhaften Zeiten braucht es nicht weniger Beteiligung, sondern mehr! Aus diesem Grund beschloss der Fachverband Bürgerbeteiligung den Norderstedter Appell.

Artikel lesen
Best Practice

Traditionelles Wissen und demokratische Innovation

Die Potenziale deliberativer Bürgerbeteiligung sind groß. Nicht nur im europäischen Kontext sondern auch unter ganz anderen Rahmenbedingungen. Besonders in Lateinamerika erleben demokratische Innovationen, wie beispielsweise Bürgerräte, aktuell starken Aufwind. Ein Einblick in die Herausforderungen und Lösungen der ersten Klimabürgerversammlung im Amazonasgebiet.

Artikel lesen
Literatur

Workshop Roadmap

Beteiligungsprozesse finden häufig in Form von Workshops statt. Ein aktuelles Buch bietet umfangreiche Tipps und Tools für die Entwicklung, Organisation und Durchführung von Workshops in unterschiedlichen Formaten.

Artikel lesen
Best Practice

Der größte Lehrer Versagen ist. – Meister Yoda

Die wenigsten Dinge funktionieren beim ersten Versuch. Doch Fehler zu machen und zu scheitern sind grundlegend unterschiedlich. Wie steht es um die Fehlerfreundlichkeit in unserer Demokratie und welche Rolle sollte sie in der politischen Bildung spielen? Sweta Moser gibt einen Einblick in die Herausforderungen und spricht einen klaren Appell aus.

Artikel lesen
Best Practice

Zufall bringt Vielfalt

Mit betterLÄND hat das Umweltministerium Baden-Württemberg einen neuartigen Jugenddialog initiiert. Ziel war es, junge Menschen zu erreichen, die sich bislang kaum an politischen Prozessen beteiligen oder engagieren.

Artikel lesen
Best Practice

Mehr als Methode

In Zeiten zunehmender Polarisierung und verhärteter gesellschaftlicher Konflikte wird es immer seltener, dass sich Bürger*innen mit unterschiedlichen Meinungen als Menschen begegnen. Wie kann unter diesen Bedingungen demokratischer Austausch gelingen? Josef Merk von Mehr Demokratie e.V. berichtet über seine Erfahrungen.

Artikel lesen
Best Practice

Jugend-Kultur-Schmiede ERZ

Die Beteiligung junger Menschen ist ein zentraler Baustein für eine lebendige Demokratie. Doch gerade im ländlichen Raum fehlen oft Strukturen, um Jugendpartizipation nachhaltig zu verankern.

Artikel lesen
Best Practice

Vom Mitreden zum Mitgestalten

Wie können Kinder in einer Gemeinde echte Beteiligung erfahren? Diese Frage bildet den Ausgangspunkt einer Entwicklung, die heute im Kindermuseum PLOMM in Wiltz, Luxemburg sichtbar wird. Doch bevor ein Gebäude entstand, bevor Ausstellungen geplant wurden, begann alles mit der Suche nach neuen Formen der Beteiligung von Kindern am gesellschaftlichen Leben. Joëlle Lutgen-Ferber, Nadine Lepage und Manon Eicher berichten über den Aufbau eines spannenden Projekts.

Artikel lesen
Literatur

Demokratiepolitik

Finn Heinrich und Leander Berner entwickeln Vorschläge für die Institutionalisierung von Demokratiepolitik, um demokratische Verfahren, Institutionen und Praktiken besser zu schützen und weiterzuentwickeln.

Artikel lesen
Kommentar

Die richtigen Weichen stellen

Jugendgemeinderäte sind in Baden-Württemberg gesetzlich verankert. Die genaue Ausgestaltung, wie das Besetzungsverfahren, bleibt den Gemeinden offen. Das eröffnet teils kontroverse Diskussionen. Sollen Wahlen stattfinden oder soll doch lieber gelost werden? Wie wird eine diverse Besetzung sichergestellt? Melanie Schmitt nimmt hier in ihrem Kommentar eine differenzierte, aber klare Position ein.

Artikel lesen