Bürgerbeteiligung in Kehl

Impulse, Maßnahmen und die Rolle der Digitalisierung

Ein lebendiges Miteinander und eine aktive Mitgestaltung – das sind die Leitmotive, die das Gemeinwesen in Kehl prägen. In einem exklusiven Interview gibt Oberbürgermeister Wolfram Britz Einblicke in die Entwicklung und Bedeutung der Bürgerbeteiligung in seiner Stadt. Transparent, offen und innovativ sollen neue Wege der Partizipation beschritten werden, um den Menschen eine Stimme im kommunalen Geschehen zu geben.
Foto: Wolfgang Maelger
Herr OB Britz, wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung der Bürgerbeteiligung in Kehl? Welche Fortschritte wurden in den letzten Jahren gemacht?

Ich sehe die Entwicklung der Bürgerbeteiligung in Kehl als sehr positiv an. In den letzten Jahren haben wir bewusst daran gearbeitet, die Partizipation der Einwohnerinnen und Einwohner zu stärken. Das bedeutet, dass wir nicht nur auf klassische Formate setzen, sondern auch innovative Ansätze nutzen, um mehr Menschen zu erreichen. Wir haben beispielsweise unsere Kommunikationswege erweitert, um transparenter zu sein, und versuchen, die Bürgerinnen und Bürger aktiv in die Planung und Umsetzung von Projekten einzubinden.

Es ist uns wichtig, dass die Menschen das Gefühl haben, gehört zu werden und Einfluss auf die Entwicklung ihrer Stadt zu nehmen.
Welche konkreten Maßnahmen wurden in Kehl ergriffen, um die Bürgerbeteiligung zu verbessern und zu fördern?

Wir haben mehrere Maßnahmen umgesetzt. Ein wichtiger Schritt war die Einrichtung einer digitalen Beteiligungsplattform, auf der Bürgerinnen und Bürger ihre Meinungen, Vorschläge und Bedenken zu aktuellen Projekten äußern können. Diese Plattform ermöglicht es, auch Menschen zu erreichen, die vielleicht keine Zeit oder Möglichkeit haben, an physischen Veranstaltungen teilzunehmen. Zusätzlich organisieren wir regelmäßig Bürgerversammlungen, bei denen die Einwohner direkt mit den Verantwortlichen ins Gespräch kommen können. Diese Treffen sind offen und transparent gestaltet, um einen echten Dialog zu fördern. Ein weiteres Beispiel ist die Gründung von themenspezifischen Arbeitsgruppen, in denen interessierte Bürgerinnen und Bürger aktiv an bestimmten Themen mitarbeiten können, etwa Stadtentwicklung, Umwelt oder soziale Projekte.

Ein weiteres zentrales Anliegen ist die Schaffung eines kontinuierlichen Austauschs zwischen Verwaltung und Bürgerschaft. Gerade durch die Kombination von digitalen Möglichkeiten und klassischen Formaten entsteht ein vielfältiges Angebot, das möglichst vielen Menschen die Teilhabe erleichtert. Dabei werden nicht nur Informationen vermittelt, sondern Räume für Mitgestaltung geschaffen.

So können Ideen und Anliegen frühzeitig in Entscheidungsprozesse einfließen. Besonders wichtig ist es uns, alle Altersgruppen und Lebensrealitäten mitzudenken, damit keine Stimme verloren geht. Wir setzen außerdem auf Informationsveranstaltungen, Umfragen und Workshops, um möglichst viele Menschen in den Prozess einzubinden. Unser Ziel ist es, Barrieren abzubauen und die Beteiligung so inklusiv wie möglich zu gestalten.

Wie wichtig ist die Digitalisierung bei der Weiterentwicklung der Bürgerbeteiligung?

Die Digitalisierung ist für uns ein zentraler Baustein. Sie ermöglicht es, die Beteiligung deutlich zu erweitern und flexibler zu gestalten. Mit digitalen Plattformen können Menschen jederzeit und von überall aus ihre Meinungen einbringen, was insbesondere für Berufstätige, Familien oder Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sehr vorteilhaft ist. Außerdem erleichtert die Digitalisierung die Dokumentation und Auswertung der Beiträge, was die Entscheidungsfindung transparenter macht. Dennoch ist es uns auch wichtig, den persönlichen Kontakt nicht zu vernachlässigen. Deshalb kombinieren wir digitale Angebote mit physischen Treffen, um den Austausch auf verschiedenen Ebenen zu fördern.

Insgesamt sehen wir die Digitalisierung als Chance, die Bürgerbeteiligung noch inklusiver und effizienter zu gestalten.

Durch dieses breit gefächerte Angebot gelingt es Schritt für Schritt, die Beteiligungskultur in Kehl nachhaltiger zu verankern. Dabei wird darauf geachtet, regelmäßig Rückmeldungen von den Teilnehmenden einzuholen, um die Formate weiterzuentwickeln und an den tatsächlichen Bedürfnissen der Stadtgesellschaft auszurichten. Das Ziel ist, Bürgerbeteiligung nicht als einmaligen Vorgang, sondern als fortlaufenden Prozess zu etablieren, der die Entwicklung der Stadt langfristig bereichert und trägt.

Was sind die größten Herausforderungen bei der Bürgerbeteiligung?

Eine der größten Herausforderungen ist, alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen zu erreichen und einzubinden. Es besteht die Gefahr, dass bestimmte Gruppen, wie ältere Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund oder sozial Benachteiligte, weniger beteiligt sind. Deshalb arbeiten wir kontinuierlich daran, unsere Angebote barrierefrei und verständlich zu gestalten, um möglichst viele Menschen anzusprechen.

Eine weitere Herausforderung ist die Qualität der Beteiligung. Es reicht nicht nur, viele Meinungen zu sammeln; es ist wichtig, dass die Beiträge konstruktiv sind und in die Entscheidungsprozesse einfließen. Das erfordert eine gute Moderation und klare Kommunikation.

Wie stellen Sie sicher, dass auch junge Menschen und Schüler aktiv in die Bürgerbeteiligung eingebunden werden?

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