Die Idee: Ein Beteiligungsformat, das ernst meint, was es verspricht – Vielfalt, Augenhöhe und echte Mitgestaltung. Und das gelingt nur, wenn man neue Wege geht. Die Auswahl der Teilnehmenden erfolgte per Zufallsverfahren – ein Ansatz, der sich als erfolgreich erwies: Die Beteiligten spiegelten die gesellschaftliche Vielfalt junger Menschen im Land wider. Im Zentrum stand die Frage: Wie muss Umweltkommunikation aussehen, damit sie bei jungen Menschen ankommt?
Aus insgesamt 22 Kommunen in Baden-Württemberg wurden junge Menschen im Alter von 16 bis 25 Jahren per Brief kontaktiert – 9.996 Stück gingen auf die Reise. Grundlage für die Auswahl war ein mehrstufiges Losverfahren, das die Kommunen nach Größe und Lage sortierte, um eine möglichst breite Streuung zu erreichen.
Das Echo war beachtlich: 649 Jugendliche meldeten sich zurück. Aus diesen wurden 65 Personen final ausgelost – gezielt nach Vielfaltsmerkmalen. Berücksichtigt wurden unter anderem Alter, Geschlecht, Bildungsweg und Migrationsgeschichte, orientiert an statistischen Quoten des Landes. So entstand eine Gruppe, die einen Querschnitt der jungen Bevölkerung in Baden-Württemberg abbildet – in ihrer Unterschiedlichkeit, mit verschiedenen Meinungen, Erfahrungen und Interessen.
Um möglichst vielen jungen Menschen die Teilnahme zu ermöglichen, wurde auf niederschwellige Zugänge geachtet. Niemand musste Vorwissen mitbringen. Unterstützung bei Sprache, Mobilität oder Behinderung wurde angeboten. Die An- und Abreise wurde organisiert, die Teilnahme durch Taschengeld (40 Euro pro Termin) honoriert und es gab Übernachtungsangebote. So konnten auch Menschen mitmachen, die sich Beteiligung sonst schlicht nicht leisten könnten – zeitlich, finanziell oder logistisch. Eine bewusste Entscheidung, um soziale Schranken zu überwinden. Und eine zentrale Lehre für zukünftige Beteiligungsprozesse: Wer Vielfalt will, muss Zugänge schaffen.
Zwischen Workshop und WhatsApp-Gruppe
Die fünf betterLÄND Veranstaltungen fanden zwischen November 2024 und Januar 2025 statt – online und in Präsenz, mit Begleitung durch Kommunikationsprofis und in direktem Austausch mit Umweltministerin Thekla Walker. Von Anfang an waren Fachleute aus dem Ministerium dabei – nicht nur als stille Beobachtende, sondern als Dialogpartner*innen. Die Arbeitsformate reichten von Kleingruppenarbeit über Kreativphasen bis zu offenen Fragerunden. WhatsApp wurde zwischen den Terminen schnell zum wichtigsten Kommunikationskanal – und von allen akzeptiert. So funktionierte die Abstimmung alltagsnah und schnell. Übersetzungen in mehreren Sprachen, inkl. KI-basierter Tools, machten die Beteiligung auch für Nicht-Muttersprachler*innen möglich. Was auffiel: Die Atmosphäre war locker, persönlich und konstruktiv – getragen von einem engagierten Moderationsteam und einer hohen Bereitschaft zur Offenheit auf allen Seiten. Viele der Jugendlichen wünschten sich zum Schluss sogar eine Fortsetzung oder ein Wiedersehen.
Ob Hauptschule oder Hochschule, ob politisch aktiv oder eher skeptisch: Die betterLÄND-Gruppe war bunt. Das zeigte sich auch in der Bewertung durch die Teilnehmenden. 94 % gaben an, dass unterschiedliche Perspektiven gut vertreten waren. Die Gruppe war bunt gemischt: Schüler*innen, Azubis, Studierende, Berufstätige, mit und ohne Migrationsgeschichte. Viele kamen vor allem aus Neugier und wegen der Themenvielfalt – ein paar auch wegen des Geldes. Interesse an Umwelt und Beteiligung entwickelte sich bei einigen erst im Verlauf. Und gerade das macht den Zufallsansatz so stark: Er bringt Menschen zusammen, die sich sonst nicht begegnen würden.
Kernanliegen: verständliche, relevante Kommunikation
Im Zentrum von betterLÄND stand die Frage: Wie kommuniziert man Umwelt- und Klimaschutz so, dass es junge Menschen erreicht? Die Antworten waren deutlich: Authentizität schlägt Hochglanz. Es braucht Inhalte, die Spaß machen, nicht belehren – Reels, Memes, Kurzvideos. Persönlich, humorvoll, gerne auch mit Ecken und Kanten. Und: Der Bezug zum Alltag ist entscheidend. Nachhaltigkeit darf nicht nur moralisch aufgeladen sein, sondern soll zeigen, wie sie auch ganz praktisch hilft – zum Beispiel Geld zu sparen. Aber auch die Qualität muss stimmen: Gute Ton- und Bildqualität, verständliche Sprache, glaubwürdige Quellen. Vertrauen entsteht, wenn klar ist, wer spricht – und warum.
Nicht alles muss digital sein. Tausch-Events, Müllsammel-Aktionen oder Plakate mit provokanten Sprüchen – auch im echten Leben gibt’s viele Chancen, junge Menschen abzuholen. Wichtig ist: Es muss Spaß machen, ein bisschen überraschen – und darf ruhig auch mal unperfekt sein. Hauptsache: Es überrascht, bringt Leute ins Gespräch und ist nicht belehrend.
Ein zentraler Schlüssel zum Erfolg von betterLÄND war die Art der Ansprache. Keine langen Vorträge, keine fertigen Antworten – sondern Zuhören, Mitdenken, Mitgestalten. Das wurde auch vom Ministerium ernst genommen. Viele Impulse der Jugendlichen fließen nun in die Weiterentwicklung der Umweltkommunikation ein. Wichtig war auch die persönliche Atmosphäre: Der regelmäßige Austausch mit der Ministerin, die Bereitschaft der Mitarbeitenden, sich Fragen stellen zu lassen, und die offene Feedbackkultur schufen Vertrauen – und Lust auf mehr.
Was wir lernen können
betterLÄND zeigt: Junge Menschen haben Lust, mitzugestalten. Aber sie brauchen Formate, die ihnen entgegenkommen. Beteiligung muss erreichbar, nahbar, flexibel und manchmal auch unkonventionell sein. Der Zufall kann dabei ein mächtiges Werkzeug sein – nicht als Ausrede, sondern als Chance auf echte Vielfalt.
Mehr Informationen und den ausführlichen Ergebnisbericht finden Sie online unter betterländ.de