Pimp My Future!

Ein Nachhaltigkeitskongress für Jugendliche

Wie können junge Menschen auf kommunaler Ebene einen Beitrag für eine nachhaltige Zukunft leisten? Das betrachtet das Projekt „Pimp My Future!” und verbindet dabei Bildung und Beteiligung mit Spaß und Wirkung. Natalie Nekolla von Politik zum Anfassen e.V. stellt das Projekt vor. Sie zeigt, wie junge Menschen mit der lokalen Politik und Verwaltung zusammengebracht werden und eigene Ideen entwickelt können.

Um die Welt nachhaltiger zu gestalten, haben die Vereinten Nationen im Jahr 2015, im Rahmen der Agenda 2030, 17 Nachhaltigkeitsziele definiert. Viele junge Menschen haben allerdings das Gefühl, dass sie persönlich nichts ändern können und ihre Stimme oft nicht ausreichend gehört wird. Das wollten wir ändern und zeigen, wie man auch auf kommunaler Ebene einen Beitrag für eine nachhaltige Zukunft leisten kann!

Seit 2023 führen wir deshalb in verschiedenen Kommunen das Projekt „Pimp My Future!” durch.  „Pimp My Future!” verbindet Jugendbeteiligung, Bildung für nachhaltige Entwicklung und politische Bildung mit ganz viel Spaß und konkreter Wirkung. Am Ende stehen umsetzbare kreative Ideen für die jeweilige Kommune, die Jugendlichen erleben Selbstwirksamkeit und Beteiligung auf eine einzigartige Art und Weise und die Kommunen präsentieren sich als vielfältige, zukunftsfähige und attraktive Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber.

Durchgeführt werden die Projekttage von uns, dem Verein Politik zum Anfassen e.V. Wir glauben daran, dass jeder Mensch einen wertvollen Beitrag leisten kann und eine Stimme haben muss. Darum entwickeln wir seit 2006 unabhängig und überparteilich Demokratie-Projekte.

Um möglichst viele Jugendliche zu erreichen, nehmen an „Pimp My Future!” zumeist drei Schulklassen teil. Zielgruppe sind die weiterführenden Schulen ab der 8. Klasse. Die Teilnehmenden erarbeiten in parlamentarischen Prozessen eigene Ideen zur Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele der UN in ihrer Kommune und Schule. Unterstützt werden sie dabei von der lokalen Politik, Verwaltung und lokalen Expertinnen und Experten.

Was passiert?

An den drei Projekttagen lernen die Schülerinnen und Schüler die Nachhaltigkeitsziele der UN kennen und entwickeln Ideen, die Impulse für die Kommune setzen. Um das Verständnis der Teilnehmerinnen und Teilnehmer für Nachhaltigkeitspolitik zu fördern und ihnen auf eine spielerische Art und Weise Wissen zu vermitteln, starten sie immer als erstes mit Crashkursen zum Thema. Hier werden die 17 Nachhaltigkeitsziele spielerisch erlernt, damit diese in den anschließend zu erarbeitenden Anträgen eingebaut werden können. Welche Nachhaltigkeitsziele gibt es überhaupt? Wo finden sich die 17 Nachhaltigkeitsziele in unserem Alltag wieder? Wie könnte eine Stadt aussehen, welche näher an der Verwirklichung der Ziele ist?

Lokale Expertinnen und Experten

Weiteren Input bekommen die Schülerinnen und Schüler von lokalen Expertinnen und Experten: Ob von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, der Klimaschutzmanagerin oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tafel, einer Repairwerkstatt oder einer örtlichen Initiative: Die lokalen Expertinnen und Experten zu den jeweiligen Zielen berichten von ihrer Arbeit, von ihrem Werdegang, der Umsetzung des jeweiligen Nachhaltigkeitsziels in ihrer Kommune und vertiefen  gemeinsam mit den Jugendlichen die Themen. Unsere Erfahrung in den Projekten zeigt, dass die lokalen Expertinnen und Experten den örtlichen Bezug der Nachhaltigkeitsziele herstellen und selbst auf der anderen Seite auch von der Sichtweise und den Ideen der Jugendlichen profitieren.

Nach dem Austausch mit den Expertinnen und Experten entwickeln die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eigene Ideen zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele in ihrer Stadt oder Gemeinde und formulieren daraus Anträge.

Kommunalpolitik

Die ehrenamtlich Engagierten in der Kommunalpolitik spielen ebenfalls eine zentrale Rolle: Wie funktioniert lokale Demokratie? Wie schafft man Mehrheiten? Wie argumentiert man schlüssig? Sie unterstützen die Jugendlichen bei der Diskussion ihrer Ideen und nehmen diese später mit in die echte Ratsarbeit. In einem abschließenden Nachhaltigkeitsplenum – ähnlich einer Gemeinde- oder Stadtratssitzung – stimmen die Jugendlichen über ihre Anträge ab. Die entwickelten Ideen erreichen so direkt die lokalen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, da sie mit in das Projekt eingebunden sind. In den vergangenen Projekten wurden insgesamt mehr als 300 Ideen von engagierten jungen Menschen entwickelt: Von Trinkbrunnen über kostenlose Menstruationsprodukte an Schulen und Diskriminierungsworkshops – die Jugendlichen fanden Gehör mit dem, was ihnen wichtig ist.

Evaluation und Preise

Die 2023 durchgeführten Projekte wurden von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt teilgefördert und durch das Berlin Institut für Partizipation evaluiert. Die Evaluation zeigte, dass das Interesse an Nachhaltigkeit, das Interesse an Politik, die Haltung zur Demokratie, der Glaube an die Wirksamkeit demokratischer Prozesse und das Selbstwirksamkeitsgefühl der teilnehmenden Schülerinnen und Schülern in den Projekten gestärkt wurden. Die Schülerinnen und Schüler haben erlebt, dass sie mit ihrem Handeln Einfluss auf ihr Umfeld und politische Prozesse nehmen können. (Berlin Institut für Partizipation 2024: Evaluation des Jugendbeteiligungsprojektes „Pimp My Future” von Politik zum Anfassen e.V. :51)

2024 wurde  „Pimp My Future!” mit dem Hans-Sauer-Preis und dem bap-Preis Politische Bildung ausgezeichnet und findet bis heute in verschiedenen Kommunen statt. Das Projekt zeigt: Jugendliche haben Lust, ihre Stadt oder Gemeinde mitzugestalten!

Natalie Nekolla ist seit 2020 Team- und Projektleitung beim Verein Politik zum Anfassen e.V. Sie plant und betreut Planspiele und Workshops zu den Themen Kommunalpolitik, Beteiligung und Nachhaltigkeit. Mit einem Team aus jungen, motivierten Freiwilligendienstleistenden ist sie mit den Projekten des Vereins deutschlandweit unterwegs.
Diesen Beitrag teilen:

Das Magazin zur politischen Teilhabe

Gerne schicken wir eine kurze Email, sobald eine neue Ausgabe erscheint:

Weitere Artikel aus unserem Magazin

Best Practice

Alle sollen mitmachen – aber wie?

Inklusiv und möglichst die erreichen, die sonst nicht mitmachen – das ist ein oft erhobener Anspruch an Beteiligungsprozesse. Wie könnte das gelingen? Ein Praxisbeispiel aus Berlin – Neukölln.

Artikel lesen
Der Querulant

Transformation auch in der Bürgerbeteiligung

In unserer digital vernetzten Welt ist es kaum noch möglich, einen Kaffee zu trinken, ohne dass jemand online eine Petition startet, eine Bürgerinitiative ins Leben ruft oder eine Hashtag-Kampagne lostritt. Dabei fühlt es sich manchmal an, als ob jeder eine Meinung hat – nur keiner wirklich zuhört. Wie kann da noch ein sinnvoller Diskurs stattfinden?

Artikel lesen
Best Practice

Beteiligung in der Modellentwicklung

Nicht selten wird Beteiligung von Politiker*innen als Belastung gesehen. Ein notwendiges Übel, um Akzeptanz zu erhöhen und Kritik vorzubeugen. Doch das Projekt MobiLe zeigt, wie durch frühzeitige und wertschätzende Co-Creation-Prozesse, politische Entscheidungsprozesse entlastet werden können. Mit spannenden Implikationen für weitere Beteiligungsformen.

Artikel lesen
Best Practice

Andere Meinungen? Aushalten!

Beteiligung geht nur, wenn wir andere Meinungen aushalten. Einfach ist das nicht, aber es gibt Werkzeuge, die helfen können. Das Dialogformat demoSlam lädt dazu ein, sich auf menschlicher Ebene zu begegnen, andere Meinungen zu akzeptieren, ohne ihnen zuzustimmen, gemeinsam zu lachen, aber auch zu weinen.

Artikel lesen
Theorie

Kann man mal machen oder Must-have?

Kinder und Jugendliche lernen Demokratie meist nur abstrakt und theoretisch kennen. Echte Beteiligung und Mitbestimmung, die nicht nur als Feigenblatt dient, sondern einen wirklichen Einfluss ermöglicht, ist selten. Dabei würde das große Potenziale bringen. Sebastian Mech beschreibt die theoretischen Grundlagen und Leitideen, die echte Beteiligung junger Menschen fördern und legitimieren.

Artikel lesen
Literatur

Mehr direkte Demokratie?

Was heißt es, wirklich souverän zu sein? Der Bürgerrechtler Ralf-Uwe Beck geht dieser Frage in einem leidenschaftlichen Essay nach. Er plädiert für Volksentscheide als notwendige Ergänzung zum Parlamentarismus und als Frustschutzmittel gegen autoritäre Populisten.

Artikel lesen
Kommentar

Einsam vor dem Bildschirm

Einsam allein vor dem Bildschirm: Über Einsamkeit in der digitalen Bürgerbeteiligung. „Einsamkeit“, das Thema derzeit an vielen Orten. Hier nun ein Artikel über ein nicht eingelöstes Versprechen.

Artikel lesen
Literatur

Conflict Culture Playbook

Dana Hoffmann und Hendric Mostert präsentieren konkrete Methoden und Werkzeuge, wie ein innovativer Umgang mit Konflikten in Beteiligungsprozessen aussehen kann.

Artikel lesen
Interview

Bürgerbeteiligung in Kehl

Ein lebendiges Miteinander und eine aktive Mitgestaltung – das sind die Leitmotive, die das Gemeinwesen in Kehl prägen. In einem exklusiven Interview gibt Oberbürgermeister Wolfram Britz Einblicke in die Entwicklung und Bedeutung der Bürgerbeteiligung in seiner Stadt. Transparent, offen und innovativ sollen neue Wege der Partizipation beschritten werden, um den Menschen eine Stimme im kommunalen Geschehen zu geben.

Artikel lesen